Rally Dakar Etappe 10

Zeit verloren, Platz gewonnen – #302 wieder Vierter

 

Antofagasta, 15. Januar 2014 Viel Zeit verloren und trotzdem aufgeholt, so lässt sich die zehnte Etappe der Rallye Dakar für Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz zusammenfassen. Denn das Duo meisterte auf dem Weg von Iquique nach Antofagasta gleich mehrere Herausforderungen erfolgreich – und wurde am Ende mit dem Vorrücken auf den vierten Gesamtrang belohnt. Auf dem Weg ins Etappenziel Antofagasta erwies sich ausgerechnet die letzte Düne des Tages als besonders tückisch – „GdV“ und „DvZ“ mussten ihren Imperial Toyota Hilux mit der Schaufel aus dem weichen Sand befreien. Zu allem Überfluss kostete ein Reifenwechsel anschließend wichtige Zeit, so dass der Rückstand der #302 zur Spitze weiter anwuchs.

Die zehnte Etappe der Rallye Dakar war zweigeteilt: Auf den ersten 231 Prüfungskilometern wechselten sich Sand und loser Erdboden ab. Es folgte eine 185 Kilometer lange Verbindungsetappe. Der zweite, 215 Kilometer lange Teil der Prüfung stand im Zeichen des so genannten „Fesh-Fesh“-Sands – enorm feiner Sand, der den Teilnehmern schnell zum Verhängnis werden kann. Weiter über kurvige Pisten in der Minenregion um La Portuda, ging es kurz vor dem Ziel am Naturdenkmal „La Portada“ vorbei, ein im Ozean gelegener Steinbogen aus Andesit-Gestein.

 

 

Die Zitate

 

„Erneut kein einfacher Tag für uns, aber bei der ‚Dakar‘ gibt es ja auch keine einfachen Tage. Gleich bei der ersten Dünenkreuzung haben wir uns schwergetan und drei Versuche benötigt, um sie zu überqueren. Nachdem wir etwas Luft aus den Reifen gelassen hatten, war die Traktion glücklicherweise besser und dann ging es. Danach ist es für uns ganz gut vorwärts gegangen, doch ausgerechnet bei der allerletzten Düne hatten wir etwas zu wenig Schwung, so dass wir exakt auf dem Scheitelpunkt hängengeblieben. Unglücklicher ging’s kaum, denn dann mussten wir aussteigen und unseren Pickup freischaufeln – sehr ärgerlich, das ging auf meine Kappe. Trotzdem sind wir in der Gesamtwertung um einen Platz vorgerückt. Mal sehen, was der Donnerstag bringt.“

Giniel de Villiers nach Etappe 10

 

„Heute war bei uns im wahrsten Sinne des Wortes etwas Sand im Getriebe. Dieser weiche ‚Fesh-Fesh‘-Sand ist wirklich tückisch. Als wir auf der letzten Düne feststeckten und schon fleißig am Schaufeln waren, hatte ich mich noch gewundert, warum hinter uns keine Autos kamen. Später stellte sich dann heraus: Anscheinend hatten einige einen Wegpunkt nicht gefunden. Dass Carlos und Timo heute ausgeschieden sind, tut uns leid. Glücklicherweise scheinen beide wohlauf zu sein. Am Donnerstag erwartet uns die längste und schwerste Etappe. Hoffen wir mal, dass wir gut durchkommen.“

Dirk von Zitzewitz nach Etappe 10

 

 

 

Das Ergebnis: Rallye-Dakar-Gesamtwertung nach Etappe 10

 

01. Joan Roma/Michel Périn (E/F), Mini, 38:52.57 Std.

02. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (F/F), Mini, 38:55.12 Std.

03. Nasser Al-Attiyah/Lucas Cruz (Q/E), Mini, 39:38.58 Std.

04. Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz (ZA/D), Imperial Toyota, 40:07.13 Std.

05. Orlando Terranova/Paulo Fiuza (RA/P), Mini, 40:07.33 Std.

06. Krzsyztof Holowczyc/Konstantin Zhiltsov (PL/RU), Mini, 42:10.28 Std.

 

 

 

Das kommt: Vorschau auf Etappe 11

Antofagasta–El Salvador (Verbindung: 144, Prüfung: 605, Verbindung: 0 km)

Die Teilnehmer der Rallye Dakar biegen langsam aber sicher auf die Zielgerade ein. Nur noch drei Etappen, dann dürfen die Fahrer – im Idealfall – über den Zielstrich in Valparaíso an der chilenischen Pazifikküste fahren. Doch vorher wird es noch einmal heiß, sandig und extrem anspruchsvoll. Am Donnerstag warten die Dünen von Copiapó in der berühmten und extrem heißen Atacama-Wüste. Hier gilt es wieder, geschickt zu navigieren um im feinen und tiefen Sand nicht stecken zu bleiben. Bevor es in die Atacama geht, durchqueren die Fahrer zahlreiche ausgetrocknete Flussbetten und müssen dabei sehr aufmerksam sein. Denn die scharfen Uferkanten können schnell mal übersehen werden. Und das macht selbst die stabilste Radaufhängung nicht immer mit.

 

 

#302, Fahrtrichtung links: Giniel de Villiers

 

Wenn es eine Vielseitigkeitsauszeichnung im Motorsport geben würde, Giniel de Villiers wäre ein heißer Kandidat auf den Sonderpreis für das Lebenswerk. Der sympathische und bodenständige Rennfahrer aus Stellenbosch/Südafrika feierte fünf nationale Meistertitel im Tourenwagen-Sport Südafrikas, besiegte dabei unter anderem seinen späteren Teamchef im Volkswagen-Werksteam Kris Nissen und weitere europäische Top-Stars, bevor er in den Marathon-Rallyesport wechselte. Giniel de Villiers bezeichnet sich selbst als „outdoorsy person“, den es stets an die frische Luft zieht. Egal, ob mit dem Jetski oder dem Mountainbike, Giniel de Villiers ist deshalb immer „in Action“. Doch sportlich wie privat ist dabei kluge Besonnenheit ein absolutes Markenzeichen von „Ginny“. Seine Vita weist deshalb auch beim zweiten Karriere-Weg abseits befestigter Straßen und permanenter Rennstrecken Herausragendes aus: Gemeinsam mit seiner Beifahrerin Tina Thörner (S) belegte er mit Volkswagen anno 2006 Rang zwei bei der Rallye Dakar – ein Meilenstein, denn nie zuvor hatte ein Duo mit Diesel-angetriebenem Fahrzeug eine bessere Platzierung erreicht. Ausgerechnet bei der ersten Rallye Dakar außerhalb des Schwarzen Kontinents gelang 2009 der absolute Durchbruch, unterstützt von Co-Pilot Dirk von Zitzewitz: Gemeinsam feierte das Duo einen historischen Erfolg: Den ersten Sieg eines Afrikaners, den ersten eines Diesel-Automobils und den ersten in Südamerika überhaupt.

 

 

 

#302, Fahrtrichtung rechts: Dirk von Zitzewitz

 

Er ist nicht nur sprichwörtlich als Navigator geboren. Dirk von Zitzewitz erblickte das Licht der Welt an dem Ort, der ihm seit Jahren ein sportliches Zuhause ist: auf dem Beifahrersitz. Der aus Ostholstein stammende Co-Pilot gilt als einer der Besten seines Fachs. 2009 gewann er als Beifahrer gemeinsam mit Giniel de Villiers die erste jemals in Südamerika ausgetragene Dakar. Neuland? Für Dirk von Zitzewitz abseits befestigter Straßen der ideale Ort, sein instinktives Gespür zu zeigen, stets den richtigen Weg zu finden. Der Erfolg und sein Renommee in der Szene sind keineswegs Zufall: Schon als Teenager spielte Zitzewitz mit einem Kumpel und einem klapprigen alten Moped „Dakar“. Damals war das Event jung und international unbedeutend, zog den Offroad-begeisterten Norddeutschen jedoch bereits magisch an. Dirk von Zitzewitz gewann 15 Mal den Titel des Deutschen Enduro-Meisters, ehe er dreimal die Dakar auf dem Motorrad bestritt. Seit 2002 ist er mit unterschiedlichen Fahrern als Co-Pilot bei der Mutter aller Wüstenrallyes angetreten. 2012 schloss sich für Zitzewitz der Kreis: Zehn Jahre zuvor war er erstmals im Automobil angetreten – ebenfalls mit einem privat eingesetzten Toyota. 2014 geht die Kombination De-Villiers-von-Zitzewitz-Toyota in die dritte Runde. Dazwischen liegt ein großer sportlicher Erfolg: Insgesamt schlagen elf Podiumsresultate, davon fünf Siege bei 33 Etappensiegen und 31 Führungstagen im Automobil zu Buche. Damit gehört Dirk von Zitzewitz schon heute zu den erfolgreichsten Marathon-Rallye-Beifahrern aller Zeiten.

 

 

 

Die „Dakar“ im TV

 

Mittwoch, 15. Januar 2014

23:00 Uhr Eurosport Rallye Dakar 2014, 10. Etappe, Aufzeichnung vom Tage

 

Donnerstag, 16. Januar 2014

23:00 Uhr Eurosport Rallye Dakar 2014, 11. Etappe, Aufzeichnung vom Tage

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